Konsolen.net > Tests > GameCube: Super Smash Bros. Melee

tests

Super Smash Bros. Melee

geschrieben von Sascha Gläsel

Hersteller: Nintendo
Genre: Beat'em-Up
System: GameCube, PAL-Version
Besonderheiten: Benötigt Memory Card (11 Blöcke); unterstützt 60Hz-Modus
USK (ESRB): 11+ (ELSPA)
Spieler: 1 - 4
Testmuster von: eigene Anschaffung

Wenn Nintendos Helden aus zahlreichen Videospieleklassikern zusammen kommen, dann geht es nicht immer zimperlich zu. Wo zu Nintendo 64 Zeiten Differenzen überwiegend sportlich beigelegt wurden wie zum Beispiel beim Tennis oder beim Golf geht es in "Super Smash Bros. Melee" handfester zur Sache.

Nach einem schmucken Intro landet ihr im Hauptmenü, welches euch mit einer Vielzahl an Spielmodi die Qual der Wahl bietet. Ob allein oder mit Freunden: Die Auswahl ist schier riesengroß. Dazu kommt eine große Anzahl an spielbaren Protagonisten, massig Level und zig Boni, Spezialitäten und freispielbare Extras. Bevor ihr allerdings los legt, widmet euch ausführlich dem Training, wollt ihr für eure Freunde oder Computergegner nicht als einfaches Kanonenfutter enden.

Aller Anfang ist schwer
Schon hier bekommt ihr einen Vorgeschmack auf die vielen Möglichkeiten an den Einstellungen von "SSBM" herum zu spielen. Fast alle wichtigen Parameter für eine lehrreiche Stunde dürfen von euch euren Fähigkeiten entsprechend angepasst werden, wie zum Beispiel ob sich euer Sparringspartner wehren soll oder ob er nur wie ein Sandsack unbeweglich in der Gegend herumsteht. Dadurch sollte es euch nicht schwer fallen, sich alle Feinheiten der Steuerung nach und nach zu erschließen.

Die Grundbewegungen sind für alle Akteure gleich. Neben rennen, laufen und springen beherrscht jeder Kämpfer mehrere Standard-Angriffsarten, wie die namensgebenden Smash Attacke um Gegner effektvoll von der Plattform zu fegen, und vier Special-Moves. Zudem können Gegner gepackt und anschließend herumgeworfen werden. Zur Verteidigung dient ein Schild, dass aber länger genutzt schnell an Power einbüßt und euch sogar für kurze Zeit bewegungsunfähig zurück lässt, wenn ihr es nicht rechtzeitig wieder einpackt oder zuviele Schläge auf das Schild eingeprasselt sind.

Smash-Attacke und Special-Moves
Wer die vielen Nintendo Helden aus ihren bisherigen Videospiele Abenteuern kennt, wird nicht nur bei den Special-Moves eine Menge Deja-Vus erleben, da sich die Spezialtechniken überwiegend an aus alten Games bekannten Kampfarten orientieren. So kann Bowser Feuer spucken, Link mit Pfeil und Bogen sowie Bomben hantieren, Samus einen Charge-Beam los lassen oder Pikachu mit Blitzen um sich werfen. Auch defensive Manöver findet ihr bei den Spezialattacken einiger Charaktere.

Ziel ist es euren Gegnern dabei so einzuheizen, dass sie aus der Kampfarena fliegen. Jeder Schauplatz wartet wie in einem traditionellen 2D Jump'n'Run mit diversen Plattformen auf, gähnende Abgründe inklusive. Habt ihr euren Kontrahenten getroffen, erhöht sich eine Prozentzahl, die am unteren Bildschirmrand eingeblendet ist. Je höher diese Schadensanzeige umso weiter fliegt ein getroffener Kämpfer. Mit anderen Worten: Je höher die Prozentzahl um so einfacher ist es euren Gegner aus der Arena zu schubsen, da er schon mit Standardangriffen von Plattformen gefegt werden kann, sollte die Schadensanzeige die 100 Prozent weit übersteigen.

Rettung in letzter Sekunde
Doch einmal in einen der Abgründe eines Levels gestoßen muss das noch nicht den K.O. bedeuten. Alle Protagonisten beherrschen einen Supersprung, der in solch einer brenzligen Situation noch einmal die Niederlage verhindert, indem er euch oder euren Rivalen zurück in die Arena befördert. Darüber hinaus kommt ihr mit diesem großen Satz auch auf höhere Plattformen um entweder behände einem Gegner auszuweichen oder aber eines von diversen netten Extras zu ergattern, die von Zeit zu Zeit auf dem Kampfschauplatz auftauchen.

Die fast 30 Stages selbst erinnern ebenfalls an alte Klassiker von Big N. So prügelt sich die Nintendo Schar zum Beispiel auf den Flügeln eines Starfox Kampfraumers, im Stadion der Pocket Monster, in der prächtigen Unterkunft der Prinzessin Peach oder in den Dschungel Gefilden von Donkey Kong. Selbstredend bekommt ihr dabei die passenden Hintergrundsongs aus den klassischen Nintendo Spielen in euren Matches in technisch aufgepeppter Form auf die Ohren. Hoher Wiedererkennungsgrad garantiert.

Abwechslungsreiche Spielmodi
Bei den Spielmodi ist Abwechslung Trumpf. In der "Classic" Variante grast ihr nacheinander vorgegebene Kämpfe ab. Das können eins-gegen-eins Duelle, Teamkämpfe mit computergesteuerten Mitstreitern, Clinches gegen mehrere Kontrahenten oder Bonuslevel sein, in dem ihr in bekannter Hüpfspielmanier eine bestimmte Zahl an Zielen zerdeppern oder einen Ausgang finden müßt. Im "Abenteuer" lauft und springt ihr wie in einem 2D Jump'n'Run durch die Gegend bis ihr einen Protagonisten findet, den ihr in eine handgreifliche Auseinandersetzung verwickelt um in den nächsten Level zu kommen.

In einem "Event Match" gilt es einzelne Kämpfe erfolgreich zu meistern. Auch hier gibt es wieder Duelle gegen mehrere Charaktere oder Teammatches. Manches mal ist euer Alter Ego für eine Stage vorgegeben, ein anderes mal habt ihr die freie Auswahl. Allerdings ist es hier nicht immer angesagt, lediglich eure Gegner zu Boden zu schicken. Ab und an gibt es andere Aufgabe zu erfüllen, wie zum Beispiel das Sammeln von Münzen oder Siegen ohne dass der Kumpel K.O. geht. Ein happiges Zeitlimit sorgt für eine weitere Herausforderung. Den größten Teil der Events spielt ihr durch Erfolge in den vorhergehenden frei.

Von High-Scores und Bonuspunkten
Am Ende eines Kampfes folgt die Abrechnung. Für alles mögliche vergibt "SSBM" Bonuspunkte. Es gibt unzählige Spezial-Boni, je nachdem, wie ihr euren Gegner in die Schranken verwiesen habt. Ein paar Beispiele gefällig? Also dann: Boni gibt es, wenn ihr den Gegner von hinten besiegt, selbst keinen Schaden genommen, keine Items eingesetzt habt oder selbst nie hinuntergestoßen wurdet. Selbstverständlich machen sich auch Schnelligkeit und Schwierigkeitsgrad bei der Punktevergabe bemerkbar (fünf Schwierigkeitsgrade stehen zur Verfügung; zudem legt ihr zu Beginn die Anzahl eurer Bildschirmleben fest). Höchstpunktzahlen werden für die Ewigkeit auf Memory Card festgehalten.

Neben der Jagd nach High-Scores, neuen Charakteren, Wettbewerben oder Stages hält euch noch ein weiterer Punkt bei der Motivationsstange: Für Erfolge fahrt ihr schnucklige Trophäen in Form kleiner Statuetten bekannter Nintendo Helden ein. Fast 300 Stück an der Zahl schlummern auf der Mini-DVD. Zudem erspielt ihr euch in einer Lotterie ein paar weitere mit in Kämpfen gewonnenen Münzen. Ist am Anfang der Münzeinsatz noch gering um an die begehrten Ausstellungsstücke zu kommen, müsst ihr im weiteren Spielverlauf immer mehr Münzen opfern. Als zusätzliches Bonbon erhaltet ihr zu den Trophäen noch Informationen zur Historie der dargestellten Protagonisten.

Melee als Partyspaß
Selbstverständlich eignet sich "SSBM" auch als Partyspiel. Im Multiplayerpart, "Melee" genannt, warten ebenfalls eine Menge Spielmodi auf eine gesellige Runde. Obwohl sich maximal vier Spieler gleichzeitig auf dem Bildschirm prügeln dürfen, gibt es die Möglichkeit ein größeres Turnier mit noch mehr Teilnehmern zu veranstalten. Haltet euch dabei an ein vorgefertigtes Regelwerk oder setzt selbst fest, was zum Sieg in einer Runde nötig ist. Außerdem stehen noch witzige Spezial-Kämpfe zur Verfügung, in der zum Beispiel jeder mit 300 Prozent Schaden beginnt oder alle Kämpfer Winzlinge oder Riesen sind. Seit ihr nur zu zweit oder dritt füllt das Starterfeld mit Computerkämpfern auf.

Optisch kann "SSBM" nicht mit den Hochglanz-Beat'em Ups anderer Konsolen mithalten. Nintendos Helden geben einfach nicht so viel her, wie zum Beispiel die geschmeidig agierenden Schönheiten eines "Dead or Alive 3". Zwar sind alle Akteure tadellos animiert - Kirby, Yoshi oder Bowser sind aber eher plumpe Gesellen. Das Geschehen selbst spielt sich in einer 2D Seitenansicht ab. Die Kamera zoomt dabei automatisch näher heran oder weiter heraus, stets so, dass alle Akteure im Bild sind. Das kann in weitläufigen Arenen dazu führen, dass der komplette Level auf dem Bildschirm auftaucht, wenn an entgegengestzten Enden der Clinch tobt und die Protagonisten entsprechend winzig dargestellt werden. Flüssig bleibt der Bildaufbau aber in allen Situationen.

Auch die Arena ist der Feind
Die Stages bieten nicht nur liebevolle grafische Details am Rande, sondern wollen auch bei euren Kämpfen ins taktische Kalkül gezogen werden. Auf der "Mute City" Rennstrecke aus "F-Zero X" zum Bleistift tauchen plötzlich Racer auf und fahren euch über den Haufen, wenn ihr nicht rechtzeitig wegspringt. In der "Dream Land" Stage versucht euch ein Baum aus der Arena zu Pusten. Auf "Planet Zebas" steigt eine giftige heiße Brühe langsam an, um nach Erreichen des höchsten Pegelstandes wieder auf den Normalzustand abzufallen. Rettet ihr euch nicht schnell auf eine höher gelegene Plattform geht eure Schadensanzeige schneller über 100 Prozent als euch lieb sein kann.

fazit

Gäbe es einen Spiele-Oscar für die meisten freispielbaren Extras, "Super Smash Bros. Melee" hätte ihn so gut wie sicher. Es ist schier unglaublich, was ihr da alles erspielen könnt. Neue Arenen, Kämpfer, Spielmodi und nicht zuletzt die Trophäen. Die Jagd nach Highscores ist in Punkto Langzeitmotivation ebenfalls nicht zu unterschätzen. Zudem begegnen euch an alle Ecken und Enden witzige Details. Wo andere zum Beispiel im Abspann einfach nur die Namen aller Mitwirkenden abspielen, nimmt euch "SSBM" mit auf eine kleine Achterbahnfahrt durch den Weltraum, wo ihr mit einem Fadenkreuz auf die heranfliegenden Namen der Beteiligten schießen müsst. Selbst dafür gibt es dann noch einen Highscore!

Das einzige echte Manko von "SSBM": In den Kämpfen kommt es mehr auf blitzschnelle Reaktionen denn auf taktisches Vorgehen an, wie in den Vorzeige Beat'em-Ups anderer Konsolen. Pure Hektik mit einer kleinen Portion Glück regiert, wenn ihr gegen mehr als zwei Gegner ran müsst. Außerdem sind einige Auseinandersetzungen so dermaßen schwer, dass ihr eine gehörige Portion Glück braucht, wollt ihr am Ende als Sieger da stehen. Aber dieses kleine Haar in der ansonsten äußerst schmackhaften Spielesuppe sollte euch nicht vom Kauf abhalten. Schließlich bekommt ihr unheimlich viel Spiel für euer Geld (sag).


grafik: 8.0 | sound: 7.5 | gameplay: 9.5 | gesamt: 9.0
Copyright 1996-2017 bei Jochen Rentschler. Alle Rechte vorbehalten.