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True Crime: Streets of L.A.

geschrieben von Sascha Gläsel

Hersteller: Luxoflux, Activision
Genre: Action
System: Xbox, PAL-Version
Besonderheiten: Verbrechensbekämpfung im real nachgebildeten Los Angeles; Spielerisch angelehnt an GTA Serie
USK (ESRB): ohne Jugendfreigabe
Spieler: 1
Testmuster von: eigene Anschaffung

Bevor auch Xbox Spieler in den Genuss von Rockstars Superhit "Grand Theft Auto" kommen, startete Luxoflux Ende vergangenen Jahres seinen "GTA" inspirierten Ausflug nach Los Angeles. Ob es ein spielerisches Schwergewicht wie Rockstars PlayStation2 Verkaufserfolg geworden ist?

Nick Kang ist ein Cop der rabiateren Sorte, der mit einem lockeren Spruch auf den Lippen schnell und gerne mit seinen Fäusten austeilt. Als normaler Polizist hat ihm das eine Suspendierung eingebracht. Doch in der Spezialeinheit E.O.D., wo gegen richtig schwere Jungs aus der organisierten Schwerkriminalität ermittelt wird, könnten sich Kangs handfeste Fähigkeiten auszahlen. Wohlan, auf dass die Straßen von Los Angeles ein etwas sicherer Ort für brave Bürger werden. In einem Zivilfahrzeug bewegt sich Nick durch den authentisch nachgebildeten Großraum Los Angeles. Ihr cruist durch Beverly Hills, fangt Verbrecher in China Town oder liefert euch Feuergefechte in Venice Beach. Bis auf wenige Ausnahmen bewegt ihr euch völlig frei durch die Stadt der Engel. Wollt ihr in der Story des Spieles voran kommen, müßt ihr die einzelnen Aufträge angehen; sieben bis acht an der Zahl pro einem der gut einem Dutzend Kapitel. Neben der Haupthandlung tun sich später zwei weitere Handlungsstränge mit neuen Kapiteln auf, die euch zu zwei anderen Endings führen.

Cruisen durch Los Angeles
Mit eurem Auto steuert ihr die Story-Schauplätze an. Einige müßt ihr unter Zeitdruck erreichen. In anderen Missionen verfolgt ihr in eurem Wagen verdächtige Personen in sicherer Entfernung. Laßt den Vorsprung nicht zu groß werden, sonst entkommt eure Zielperson. Handfester geht es in Verfolgungsjagden zur Sache. Stoppt Verbrecher in ihren Fluchtwagen durch gezielte Schüsse auf Reifen oder Tank. Einige ausgewählte Gebäude sind im Rahmen der verschiedenen Aufträge zur Begehung frei gegeben. Dort erwarten euren Polizisten unter anderem bleihaltige Feuergefechte und heftige Prügeleien meist gegen mehrere Gegner. Achtet auf die Einrichtung, die bei den Kämpfen zu Bruch geht - einiges ist sogar brandgefährlich. Schubst zum Beispiel auf euch einstürmende chinesische Köche gegen den Küchenherd und sie entflammen. Subtileres Vorgehen ist bei den Schleicheinlagen gefragt. Einige Locations müssen ungesehen infiltriert werden. Patroullierende Wachen legt ihr von hinten mit einem gekonnten Handkantenschlag schlafen. Heimtückische böse Cops eliminieren ihre Opfer durch tödliche Gewaltanwendung.

True Crime Xbox
Nick unterwegs in Los Angeles. Links unten seht ihr den Kartenausschnitt, auf dem zum Beispiel Zufallsverbrechen oder Trainingsplätze angezeigt werden. Links oben ist die Schadensanzeige für euer Alter Ego und das Auto. Euren Wagen könnt ihr wie jede andere Karosse nach allen Regeln der Kunst auseinander nehmen. Blechschäden, Einschusslöcher und rauchender Motor sind nicht nur grafisches Gimmick sondern wirken sich auf die Fahreigenschaften eures Wagens aus.

Auch aus dem Wagen heraus nimmt Kang Verbrecher ins Visier. Wie per pedes entweder im normalen Feuermodus mit automatischer Zielerfassung oder effektiver über "Genaues Zielen" (dazu weiter unten mehr). Ballert nicht zu übermütig, sonst werden unschuldige Spaziergänger getroffen. In den Prügeleinlagen stehen euch Schlag, Tritt, Sprungtritt und ein Block zur Verfügung. Zunächst ist meist simples möglichst schnelles Buttondrücken angesagt um euren Gegenüber durch mehrere Treffer kurzzeitig benommen herumtaumeln zu lassen. Erst dann holt ihr mit mächtigen Spezialattacken aus. Während die normalen Angriffe härtere Verbrechenskaliber kaum ankratzen, sind Spezialmoves enorm effektiv, wenn es darum geht euen Gegner möglichst schnell ins Reich der Träume und damit ins Kittchen zu schicken. Einige schwächere Aktionen hat Kang schon zu Beginn drauf. Andere weitaus kräftigere Hinlanger erlernt ihr später gegen erspielte Polizei-Abzeichen in Dojos, die über die ganze Stadt verstreut anzutreffen sind.

Prügeleinlagen und Schießereien
Wie in Rockstars "GTA" nehmt ihr ausgeschalteten Verbrechern die Waffen ab. Das können Hieb- und Stichwerkzeuge für den prügelnden Infight sein oder dicke Wummen von der Pumpgun bis zu diversen Maschinengewehren. Allerdings behaltet ihr die neuen Projektilwaffen nur so lange, bis ihr den eingelegten Munitionsclip verbraucht habt. Da mit erbeuteten Waffen kein gezieltes Feuer ("Genaues Zielen") möglich ist, solltet ihr in Geiselrettungssituationen tunlichst auf das Aufsammeln verzichten, wollt ihr keine toten Geiseln riskieren. Auch beim Wagenklau sind die Anleihen an "GTA" nicht zu übersehen. Car-Jacking ist auf Knopfdruck jederzeit möglich. Während Nicks eigenes Auto über eine nützliche Polizeisirene verfügt, müßt ihr bei requirierten Wagen auf dieses Utensil verzichten. Es sei denn, ihr klemmt euch hinter den Lenker einer Polizeikutsche. Wißt ihr nicht mehr, wo ihr euren eigenen Wagen abgestellt habt, macht euch auf die Suche nach den spärlich in L.A. verstreuten Garagen. Dort findet ihr euren fahrbaren Untersatz ohne Kratzer im Lack bereit für neue Taten im Namen des Gesetzes.

True Crime Xbox
Nick Kang infiltriert heimlich, still und leise ein türkisches Bad. Wenn ihr in diesen Schleichabschnitten entdeckt werdet, habt ihr noch einige wenige Sekunden Zeit um euch schnell zu verstecken oder euren Entdecker ungesehen von anderen Augenzeugen niederzuschlagen. Gelingt euch dies nicht gilt der Level als gescheitert.

Für jeden verhafteten oder unschädlich gemachten Verbrecher heimst ihr Punkte ein. Für 100 erspielte Punkte erhaltet ihr ein Abzeichen, welches ihr später für die Verbesserung eurer Fähigkeiten einsetzt. Tötet ihr Verbrecher durch gezielte Kopfschüsse oder streckt ihr unschuldige Passanten durch verirrte Geschosse nieder, kostet euch das Ansehenspunkte. Ist eure Guter Cop / Böser Cop Anzeige dadurch in den negativen Bereich geraten, drohen deftige Aufstände. Verhaftet ihr dagegen Verbrecher oder überwältigt sie durch nicht-tödlichen Waffeneinsatz macht euch das zu einem guten Cop. Um eure Abzeichen-Punkte oder Ansehensanzeige zu pushen durchsucht vorbeikommende Passanten nach Waffen und Drogen oder wendet euch den Zufallsverbrechen zu. Während ihr durch die Gegend fahrt erhaltet ihr Funksprüche aus der Zentrale, die euch auf Notrufe aus der näheren Umgebung aufmerksam macht. Verhaftet die Verdächtigen möglichst ohne tödliche Gewaltanwendung. Einige ergeben sich bereits, wenn ihr eure Dienstmarke zückt, mit heulender Sirene ankommt oder einen Warnschuss abgebt. Andere müssen erst durch eine Prügeleinlage, einen Schusswechsel oder eine Autoverfolgungsjagd gestellt werden.

Im Fokus: Abzeichenpunkte
Den Abzeichenpunkten sollte euer besonderes Augenmerk gelten. Habt ihr euch in Prügeleien oder Schießereien verletzt heilt ihr euch in Hospitälern auf Kosten einiger Punkte. Hat euer Wagen Schaden genommen steuert ihr eine Werkstatt für die Instandsetzung an. Auch die Reparatur schmälert euer Abzeichenpunktekonto. Findet ihr eine der wenigen Garagen, gibts das Ganze umsonst. Ganze Abzeichen (also jeweils 100 Punkte) kostet euch der Verlust eines Bildschirmlebens oder die Updates zur Verbesserung eurer Fähigkeiten. In Dojos bringt man euch neue Angriffsmoves wie die Attacke auf dem Boden liegender Gegner oder mächtige Spezialattacken gegen angenockte Verbrecher bei. An den Schießplätzen erlernt ihr, wie ihr gezielt auf Beine, Arme oder Kopf schießt oder erhaltet Extras wie ein Zielfernrohr oder einen Laserpointer. Bei der Fahrzeugausbildung schließlich werden euch verschiedene Fahrmanöver näher gebracht. Habt ihr ein Kapitel in der Story zu 100 Prozent erfolgreich gelöst, warten besondere Extras auf Abzeichenbesitzer. Dann könnt ihr euch in den ensprechenden Ausbildungseinrichtungen neue Wagen für euren Helden oder bessere Pistolen erspielen.

True Crime Xbox
In einem der Aufträge der Kampagne haben einige Verbrecher den Fehler gemacht auf Nick Kang zu schießen. Das läßt sich Nick nicht gefallen und zahlt es ihnen mit gleicher Münze heim. Per Knopfdruck auch in Bullet-Time Zeitlupe.

Nicht alle euch angediente Aufträge müssen auf Teufel komm raus erfolgreich absolviert werden. Einige Missionen verzeihen einen Fehlschlag und lassen euch in einen alternativen Abschnitt gelangen um doch noch auf den rechten Pfad will sagen an das Ende des Kapitels zu kommen. Missionen dürfen jederzeit ein weiteres Mal angegangen werden, so dass ihr später euer Versagen in einen Erfolg ummünzen könnt. Die Steuerung macht euch das Ganze nicht so einfach. Vor allem die beiden leicht mißglückten Standardeinstellungen sorgen für etwas Frust. Die erste erschwert Feuergefechte, weil "Schießen" auf dem analogen Schulterbutton liegt. Wollt ihr einige Schüsse schnell hintereinander abgeben passiert es euch nicht selten, dass vom normalen Schussmodus mit automatischer Zielerfassung in "Genaues Zielen" umgeschaltet wird. Dabei zoomt die Kamera von der Schulter eures Protagonisten ins Geschehen hinein und ein Zielkreuz erscheint, mit dem ihr Gegner gezielt unter Feuer nehmt. Das dauert aber einige wenige Sekunden, in denen ihr hilflos dem gegnerischen Feuer ausgesetzt seit. In der zweiten Standardeinstellung ist der so nützliche Warnschuss urplötzlich verschwunden. Daher unbedingt ein eigenes Steuerungsschema entwerfen!

Grafische Schwächen
Grafisch zeigt "True Crime" einige kleinere Schwächen. Trotz recht großer Weitsicht werden Autos und Fußgänger erst relativ nah zu eurem Wagen dezent eingefadet. Bei den vielen schnurgeraden Straßen ein häßliches Bild. Besonders viele Wagen und Fußgängermodelle werden euch in L.A. zudem nicht über den Weg laufen. Dazu kommen einige häßliche Clipping Fehler und öfter mal verwaschene Texturen. Ruckler kommen nur selten vor, meist kommt es an den Übergängen zu einzelnen Stadtvierteln zu einem kleinen Stotterer in der Bildrate. Eine kleine Karte im unteren rechten Bildschirmrand dient zur Orientierung, indem ein kleiner Pfeil die Richtung zum nächsten Schauplatz anzeigt sowie Symbole für Garagen, Hospitäler oder Werkstäten auftauchen. Leider habt ihr nur diesen minimalen Ausschnitt und einen totale Übersicht auf ganz L.A. zur Verfügung. Da auf letzterer keine der wichtigen Symbole auftauchen, müßt ihr euch unbedingt so merken, wo sich zum Beispiel die Garagen befinden, wo ihr kostenlos Gesundheit tanken oder euren Wagen reparieren oder wiederfinden könnt.

True Crime Xbox
Im Inneren einer der wenigen über den Großraum Los Angeles verstreuten Garagen. Neben dem anfangs zur Verfügung stehenden Wagen (ganz links) spielt ihr euch drei weitere Autos frei. Diese sind nicht nur schneller als euer Erstwagen, sondern auch etwas anspruchsvoller zu steuern. Natürlich könnt ihr euch alle Karossen auf LAs Straßen requirieren.

Probleme macht an manchen Stellen auch die Kameraführung. Seit ihr zu nahe an einer Wand, Autos oder Büsche, seht ihr euren Cop nicht. Selbst durch manuelle Kamerajustierung ist es meist nicht so einfach Nick dann wieder in den Fokus des Geschehens zu bringen. Eine deutsche Sprachausgabe gibt es nicht. Ihr müßt mit dem englischen Original vorlieb nehmen. Unterlegt ist das Ganze mit deutschen Untertiteln. Beim Soundtrack hat sich Activision etwas besonderes einfallen lassen: Bekannte und weniger bekannte Größen der Westcoast Hip Hop Szene geben Songs zum Besten. Unter anderem auch Snoop Dogg, den ausdauernde Spieler als Bonuscharakter freispielen. Es dürfen aber auch eigene Songs von der Festplatte eingebunden werden. Die Zwischensequenzen sind in Spielegrafik gehalten. Beim Speichern müßt ihr obacht geben. Nur beim Abschluss einer Mission und nach einem Update eurer Fähigkeiten in einer der Ausbildungseinrichtungen wird der Spielstand automatisch fest gehalten. Ihr habt nur eine Möglichkeit euren Fortschritte manuell zu speichern: Fahrt in eine der wenigen Garagen und verlaßt sie danach wieder.

fazit

Anfangs war ich trotz der Macken bei der Kameraführung von "True Crime" sehr angetan. Doch nach und nach legte sich diese Begeisterung. Zufallsverbrechen sind eine tolle Idee. Aber dann sollte man doch schon ein paar mehr Varianten einbauen. Statt dessen wiederholt sich alles viel zu schnell. Alle Nase lang einen Laster mit gestohlenen Activision Spielen zum Stehen zu bringen nervt. Im weiteren Spielverlauf kommen dann noch andere Nervfaktoren hinzu. Eine nicht zoombare Karte, die verbesserungswürdige Standardbuttonbelegung, dämliche Computerautofahrer, die gegen den eigenen geparkten Wagen donnern oder den eigenen Protagonisten umfahren, schwer zu beherrschende Steuerung bei Schießereien und nicht zuletzt auch der ein oder andere Absturz.

Die Story selbst ist bis auf die Abwege ins Übernatürliche interessant. Die Missionen der Kampagne sind abwechslungsreich und fesseln trotz Steuerungs- und Kameraproblemen ebenfalls, seien es nun die Schleicheinlagen, die Prügeleien, die Verfolgungsjagden oder die Schießereien. Nick Kang dagegen nervt später einfach nur noch mit seinem übertriebenen Macho Gehabe. Alles in allem ein sehr gutes Action-Spiel, das aber nicht an das große GTA Vorbild von Rockstar heran kommt (sag).


positiv:

  • weitgehend linearer Spielverlauf
  • abwechslungsreiche Aufträge in Kampagne
  • authentisch nachgebautes Los Angeles
  • Zufallsverbrechen ...
negativ:
  • ... die sich aber schnell wiederholen
  • teilweise hakelige Kamera
  • ewas hakelige Steuerung bei Schießereien
  • Standardbuttonbelegung verbesserungswürdig
  • Karte nicht zoombar


grafik: 7.5 | sound: 8.0 | gameplay: 7.5 | gesamt: 8.0
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