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FIFA Football 2005

geschrieben von Sascha Gläsel

Hersteller: Electronic Arts
Genre: Sportspiel
System: Xbox, PAL-Version
Besonderheiten: komplett deutsch; massig Originalteams, Ligen und Spieler, unterstützt Xbox Live
USK (ESRB): ohne Altersbeschränkung
Spieler: 1 - 4
Testmuster von: eigene Anschaffung

Nachdem die Nationalmannschaften in Euro 2004 ihren großen Auftritt hatten, stellt Electronic Arts in der neuesten Auflage wieder Vereinsmannschaften in den Vordergrund. Natürlich wieder mit massig Originalteams, Ligen und Spielern.

Packshot FIFA Football 2005 (Xbox)Immerhin 18 internationale Ligen präsentieren sich euch als kickendes Betätigungsfeld. Ihr spielt nicht nur eure Meisterschaften in den großen europäischen Fußballnationen wie England, Spanien, Italien oder Deutschland aus, sondern übernehmt auf Wunsch auch in exotischeren Gefilden wie Mexiko oder USA eine Elf. Neben einer normalen Meisterschaft bestreitet ihr ein einzelnes Match oder versucht in einem der original Landespokalwettbewerben euer Glück. Ein eigenes Turnier ist ebenfalls möglich. Vielleicht wollt ihr hier eine der 38 Nationalmannschaften einbauen, die auf der Spiele DVD schlummern? Soweit also nichts weltbewegend Neues, was nicht auch schon andere reguläre FIFA Ausgabe der letzten Jahre in der ein oder anderen Form geboten haben.

Die neue Karriere
Eine Premiere dagegen feiert die Xbox Live Unterstützung und der stark aufpolierte Karriere Modus, der mit seinen 15 Jahren Laufzeit fast an die Franchise Modi der NHL oder NBA Spiele von Sega oder EA heranreicht. Damit wird er nach dem vierjährigen Karriere Intermezzo des Vorgängers seinem Namen endlich gerecht. Auch wenn ihr als Manager weitaus weniger Einfluss auf die Geschicke eures Teams habt, als bei der Basketball oder Eishockey Konkurrenz, habt ihr alle Hände voll zu tun. Einfach so als Trainer eines Spitzenvereins anfangen ist allerdings nicht drin. Lediglich Teams aus den zweiten Ligen oder Mannschaften aus den Eliteligen kleinerer Fußballnationen wollen euch als Schleifer akzeptieren. Wie schon in FIFA 2004 werdet ihr grundsätzlich für eine Spielzeit verpflichtet.

FIFA Football 2005 Xbox

Das heißt aber nicht, dass ihr euch nach einem Jahr einen neuen Verein suchen müßt. Wenn ihr nämlich fleißig Siege einfahrt und euch in oberen Tabellenregionen tummelt, erfreut das die Verantwortlichen des Vereins. Schlägt deshalb euer Beliebtheitsmeter weit nach oben aus, ist euer Job zunächst sicher und ihr bekommt in der nächsten Saison auch eine neue Vertragsofferte eures Heimatvereines. Es ist daher für erfolgreiche Macher kein Problem, langfristig aus einer grauen Maus einen Spitzenverein zu basteln. Was aber nicht einfach ist, da naturgemäß unterklassige Vereine nur mit unterdurchschnittlichen Kickern ausgestattet sind. Und das ältere Leistungsträger nach einer Saison in den Ruhestand gehen können, macht das Ganze nicht leichter, wenn ihr nicht durch gute Jugendarbeit adäquaten Jungspundnachwuchs geliefert bekommt.

Erfolge sichern Arbeitsplatz
Erfolge sichern nicht nur euren Job, sondern verschaffen euch zusätzliche Einkünfte, die ihr in den Ausbau eurer Elf investiert. Ein umfangreicher Trainerstab giert nach eurer Kohle zum Wohle eures Teams. Ihr habt die Qual der Wahl, ob ihr lieber das Offensivspiel forciert, das Abwehrverhalten verbessert, die Fitness der Spieler steigert, eurem Torwarttrainer mehr Aufmerksamkeit widmet oder lieber mehr für die Spielerbeobachtung, die Finanzabteilung oder den Ärztestab ausgebt. Selbstredend verbessert ihr eure Mannschaft auch durch geschickte Spielertranfsfers, so es denn euer Budget her gibt. Eine komplizierte Sache, da leider eine Option fehlt um das riesige Spielermaterial gezielt durchsuchen zu lassen. Statt dessen müßt ihr euch auf der Suche nach eurem Wunschspieler mühsam manuell durch alle Ligen und Mannschaften klicken.

FIFA Football 2005 Xbox

Was Aufstellung und Ausrichtung eures Teams angeht gibt sich FIFA 2005 gewohnt spartanisch. Lediglich die taktische Aufstellung kann variiert werden - die angebotenen Varianten reichen von klassischen 4-4-2 oder 4-4-3 bis hin zu 4-4-1-1 und ähnlichen Aufstellungen. Dazu gibts einige vorgefertigte Spielstrategien für Angriff und Verteidigung, an die sich eure Mannen recht adäquat halten. Konkret Spieler in Manndeckung nehmen geht ebenso wenig, wie Kicker auf dem Spielfeld beliebig zu verteilen um eine individuelle Taktik für euer Team zurecht zu zimmern. Und natürlich fehlt auch wieder eine Möglichkeit die Werte der Spieler oder deren Positionszuteilung zu ändern. Dafür bastelt ihr euch einen eigenen Kicker zusammen, den ihr auch in eure Elf übernehmen dürft. Wenn ihr denn über das entsprechende Kapital für einen Transfer verfügt.

Ein eigener Spieler gefällig?
Auf dem Spielfeld hat sich optisch nur wenig geändert. Die Spieler trotten flüssig und mit ordentlichen Animationen über das grüne Gras. An die natürlicher wirkenden Bewegungen eines Pro Evolution Soccer 4 reichen sie aber nicht ganz heran. Starkicker sind gut zu erkennen, da sie ihren realen Pendants ähneln. Bei der Steuerung dagegen haben Electronic Arts Programmierer an deutlicheren Änderungen gefeilt. Hurra, endlich darf wieder gedribbelt werden. War dieses Feature in FIFA 2004 noch entfernt worden, wirbeln jetzt vor allem technisch versierte Ballartisten eine Abwehr mit Übersteigern und Co. kräftig durcheinander. Auch das Passspiel wurde leicht überarbeitet - Pässe dürft ihr jetzt auch lupfen. Die kompliziert zu handhabende Off-The-Ball Passvariante ist noch vorhanden und genau so schwer zu handlen wie im Vorgänger, da ihr sowohl den Passgeber als auch den Passempfänger über die beiden analogen Sticks steuert.

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Zusammen mit den Dribblings erweist sich First-Touch als willkommene neue Steuerungsfinesse, die den Spielablauf im Hinblick auf Realismus willkommen erweitert. Haltet ihr den rechten Analogstick vor der Ballannahme in eine bestimmte Richtung, legt sich euer Spieler den Ball dorthin vor um den Gegenspieler zu narren. Mit dem richtigen Timing, das ihr euch zum Beispiel im umfangreichen Trainingsmodus des Spieles aneignet, eine überaus mächtige Waffe gegen die Computergegner. Die KI der eigenen Spieler ist ordentlich, hat aber Luft nach oben. Wie gewohnt, ist das selbstständige Freilaufen in der Offensive nicht die Stärke eurer Kicker. In der Defensive stehen eure Verteidiger oftmals weit weg vom Gegner, selbst wenn Pressing angesagt ist. Auch sonst verhalten sich eure Abwehrrecken oftmals zu passiv, wenn es darum geht ohne euer Zutun auf den ballführenden Spieler drauf zu gehen. Zitiert einen zweiten Abwehrspieler manuell herbei, wenn Not am Mann ist.

Standardsituationen: 1 gegen 1 Duelle
Bei den Standardsituationen hat sich auch nichts grundlegendes geändert. Bei Freistößen kommt eine von Golfspielen bekannte Zwei-Klick-Steuerung zum Einsatz. Bei Eckbällen und Freistoßflanken wählt ihr einen von drei möglichen Passempfängern. Bei Eckbällen habt ihr die Wahl aus drei unterschiedlichen Vorgehensweisen, die ihr vor dem Spiel aus gut einem Dutzend Varianten festlegt. Zum Beispiel eine Hereingabe auf den kurzen oder den langen Pfosten oder ein strammer Vollspannschuss. Trotz der vielen Varianten reduziert sich diese Spielsituation auf ein 1:1 Duell Stürmer gegen Verteidiger. Als Angreifer versucht ihr am Verteidiger vorbei den Punkt zu erreichen, an der die Flanke ankommen wird. Umgekehrt geht ihr in der Defensive daran, den Angreifer auf dem Weg zum Ball zu stoppen.

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Wie ihr es von einem FIFA erwarten dürft, versucht Electronic Arts auch in der neuesten Auflage seiner FIFA Reihe eine fernsehreife Präsentation zu bieten. So wird zum Beispiel der Einlauf der Spiel enstrpechend zelebriert oder immer mal wieder kleine Szenen mit einer auf einen Spieler herangezoomten Kamera eingestreut. In den Pausen seht ihr Wiederholungen wichtiger Spielszenen. Dort sind aber meist nur Aluminiumtreffer, gelbe oder rote Karten und natürlich Tore - diese in zweifacher Wiederholung - zu sehen. Bei der Sounduntermalung hat Electronic Arts dagegen gehörig geschlampt. Das Publikum geht zwar gut mit, doch erschallen das ein ums andere Mal unpassende Fangesänge.

Grausame Kommentatoren
Viel schlimmer treiben es die beiden Kommentatoren Florian König und Rolf Bartels mit ihren größtenteils aus dem Vorgänger recycelten Sprüchen. Aus der letzten FIFA Inkarnation seit ihr vielleicht schon unpassende und extrem platte Einlassungen der beiden "Fußballexperten" gewohnt. Doch was diese beiden Herren hier an Murks erzählen, passt schon nicht mehr auf die sprichwörtliche Kuhhaut. Da wird zum Beispiel in der 10. Minute das entscheidene Siegtor der Begegnung bejubelt, ein Kopfball aufs Tor als ein toller Schuss mißinterpretiert oder eine mißlungene Flanke als gefährliche Hereingabe gepriesen. Unglaublich, wie oft der Kommentar überhaupt nicht zum tatsächlichen Spielgeschehen passen will. Grausam auch die falsche Aussprache vieler Spieler: Micud, Szabics oder Koller (letztere ist nun mal nicht "Fußballgott" Kohler) werden anders ausgesprochen, als es da aus dem Lautsprecher schallt.

Als kleines Schmankerl schaltet ihr kleinere Goodies, wie alternative Originaltrikots oder weitere Songs aus dem EA Trax Fundus frei (zum Beispiel den Klassiker "Blue Monday" von New Order). Allerdings müßt ihr euch fleißig in allen Spielmodi erfolgreich betätigen um die dafür nötigen Punkte einzusammeln. Neben Xbox Live Unterstützung dürfen Besitzer von Fußballmanager 2005 ihre im Manager von EA Sports kreierten Teams in FIFA 2005 in Aktion bewundern - die Football Fusion Funktion machts möglich.


Bitte beachten:
Da ich nicht über Xbox Live verfüge, konnte ich diesen Teil des Spieles auch nicht auf den Zahn fühlen. Deshalb ist die Xbox Live Unterstützung nicht in die Bewertung des Spieles eingeflossen.

fazit

Und wieder mal das übliche Prozedere. Aktualisierte Spielerkader, hier eine kleine Neuerung, da eine Verbesserung und schon ist das nächste FIFA Update fertig. Zwar spielt sich FIFA Football 2005 dank wieder integrierter Dribblings, etwas gedrosseltem Gamespeed und der First-Touch Steuerung etwas simulationslastiger als der Vorgänger. Trotzdem bietet EA Sports Fußballspiel doch ein eher statisches Spielgeschehen. Zu eingeschränkt sind Standardsituationen, zu stark kleben die Protagonisten an den taktischen Vorgaben als das sich ein realistischer und natürlicher Schlagabausch entwickeln will. Doch dieser gewohnten Mankos zum Trotz vermag auch diese Ausgabe von FIFA Football wieder an den Bildschirm zu fesseln. Der aufgebohrte Karrieremodus trägt dazu ebenso sein Scherflein bei, wie die Unmengen an Originalspieler, Ligen und Mannschaften (sag).


positiv:

  • massig lizensierte Spieler, Teams, Ligen
  • First Touch Steuerung
  • Xbox Live Unterstützung
  • aufgepeppter Karriere Modus
negativ:
  • grottenschlechte Kommentatoren
  • kaum taktische Einstellmöglichkeiten
  • Spielerwerte nicht veränderbar


grafik: 8.0 | sound: 6.5 | gameplay: 8.0 | gesamt: 8.5
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