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Sword of the Berserk: Gut's Rage

geschrieben von Jochen Rentschler

Hersteller: ASCII / Eidos
Genre: Hack ´n Slay
System: Dreamcast, PAL-Version
Besonderheiten: VGA-, Visual Memory- und Vibration Pak-kompatibel
USK (ESRB): ab 18 Jahre
Spieler: 1
Testmuster von: Eidos

Eidos hat sich daran gemacht, den in Japan als "Berserk" bekannten Titel nach Europa zu bringen. Hierfür wurde dann auch der Name in "Sword of the Berserk: Gut's Rage" abgeändert. Wer mit blutstrotzenden Spielen nichts anfangen kann, ist hier definitiv fehl am Platze.

Schon beim ersten inspizieren der Verpackung und Anleitung fällt auf, das die Texte ausschließlich in englisch gehalten sind. Einzig der rote USK "Nicht geeignet unter 18 Jahren" kommt einem bekannt vor.

Nach dem Startbildschirm eröffnet sich vor einem das Hauptmenü. Hier darf nach belieben zwischen "New Game", "Continue Game", "Option" sowie "Prize Box" gewählt werden. Nachdem man in den Optionen ein bestehendes Spiel auf sein VMU laden oder speichern kann, darf hier hauptsächlich auch der Schwierigkeitsgrad und die Tastenbelegung bestimmt werden. "New Game" und "Continue Game" dürften sich selbst erklären, bleibt noch die "Prize Box". Sobald ihr das Spiel auf "Easy", "Normal" oder "Hard" bewältigt habt, werden hier weitere Schmankerl freigeschaltet. Neben einem Mini Game gibt es einen Battle Arena- und No Limit-Mode, eine Bilder-Gallerie, Movies oder den bekannten Stage Select.

Doch bevor wir soweit sind, stürzen wir uns mittels "New Game" ins Abenteuer und erhalten ein kurzes Intro, wie vor jedem der zu absolvierenden Abschnitte. Der Spieler übernimmt die Rolle von Gattsu (kurz Guts für seine nicht allzu zahlreichen Freunde), einem Söldner mit einem riesigen ... Schwert, dem Dragon Slayer.

Nachdem seine Kameraden im Kampf gegen einen übermächtigen Clan das Zeitliche gesegnet haben, zieht Gattsu durch das öde und triste Land, zusammen mit seiner holden, aber angeschlagenen Casca und dem kleinen Puck, der stets um beide herumschwirrt. Dabei ist unser Held stets auf der Suche nach einer Heilung, um seine Geliebte aus dem Bann eines Fluches zu befreien.

Dies als Story-Background, der nicht unmittelbar gezeigt wird. Zu Beginn sieht man im gut gelungenen Intro wie eine Artistin gemeinsam mit ihrem Vater in der Einöde stehen, um ein defektes Rad an ihrem Gespann auszuwechseln. Just in diesem Moment springt eine Horde von Dieben aus seinem Versteck. Dummerweise ziehen nun aber auch wir an dieser Stelle vorbei und stürzen und heldenhaft in den Kampf um die Wehrlosen vor den Wegelagerern zu beschützen. Hier geht zum ersten Mal die Action los und Ihr seht das Spielgeschehen aus einer Ansicht hinter Eurem Helden, "Tomb Raider"-like. Zusammen ziehen alle dann weiter und bestehen so manche Aufgabe, auch wenn Ihr immer nur den wortkargen Helden steuert...

Die Steuerung wurde einfach umgesetzt und ist schnell erlernt, wenn gleich es hin und wieder etwas hakelig werden kann, wenn man eines seiner recht seltenen Items (Wurfmesser, Heiltrunk, Handkanone) während eines Kampfes einsetzen will. Es stehen einem hauptsächlich zwei Schwert-Attacken zur Auswahl, die sich durch mehrfaches Tastengedrücke oder anhaltenden Tastendruck variieren lassen. Nettes Detail: Der deftige Rundum-Schlag ist nicht immer nützlich, da ihr später in den engen Gassen oder Höhlen damit hängenbleibt.

Desweiteren kann sich Gattsu in den rauschartigen Berserker verwandeln, vorausgesetzt sein Berserk-Meter füllt sich mit jedem erledigten Gegner. Hier verfärbt sich sogleich der Bildschirm und seine Kraft nimmt für einige Sekunden deutlich zu.

Die verschiedenen Abschnitte unterscheiden sich gut voneinander, was den Aufbau und das Aussehen angeht. Die düstere Stimmung verfolgt einen von der ersten Minute bis zum spannenden Finale. So schleicht ihr durch die Einöde, Festungen, Dörfer, Wälder wie auch Höhlen. Dabei trifft man immer wieder auf neue Gegner, die schlußendlich aber das gleiche Schicksal erwartet - der Dragon Slayer.

Die Grafik weiß zu Gefallen. Von der Animation über die erstklassigen, teils minutenlangen Zwischensequenzen und die einzelnen Szenarien - alles atmosphärisch gut auf die Story abgestimmt und in der Oberklasse anzusiedeln. Grafikfehler sind sehr selten und der Bildaufbau ist flüssig.

Gleiches gilt für den Sound. Die Musik im Hintergrund ist klasse, wie auch im Spielfilm-mäßigen Intro. Durchweg bekommt man Sprachausgabe vom Feinsten auf die Lauscher. Da klingt der Held noch wie ein Held und der Bösewicht wie eben dieser.

Die Aufmachung ist aber eben nicht alles. Wer mehr als ein Hack 'n Slay und blutige Action erwartet, der wartet vergebens. Das Spielprinzip ist simpel. Neben der eigentlichen Action gibt es hin und wieder Reaktionstests, in denen plötzlich eine Taste gedrückt werden muß, um beispielsweise nicht von einer Brücke zu stürzen. Die Endgegner sind abwechslungsreich, bedürfen aber nicht unbedingt einer ausgefeilten Taktik. Gespeichert werden darf immer an vorgegebenen Stellen. Sofern man vorher sein letztes Leben aushaucht, kann man auf eines der ausreichend vorhandenen Continues zurückgreifen. So bleibt ein solider Hack 'n Slay-Titel, in zeitgemäßer Aufmachung mit guter Story und düsterer Atmosphäre.

fazit

Zugegeben, ich wurde von "Sword of the Berserk: Gut's Rage" positiv überrascht. In diesem Genre sind neue Ideen nicht unbedingt allgegenwärtig. Vielleicht hätte aber das ein oder andere Rätsel, neben den spärlich gesähten Reaktionstests, dem Spielfluss doch ganz gut getan. Abkürzungen o.ä. wären für die Langzeitmotivation auch zuträglich gewesen. An der grafischen und akustischen Aufmachung und an der Story lässt sich nichts bemängeln, die sind top. Freunde von Action, auch blutigerer Art, werden sicherlich Gefallen an diesem Titel finden, da es auch einiges freizuspielen gibt. (jr)


grafik: 8.0 | sound: 8.5 | gameplay: 7.5 | gesamt: 7.5
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