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International Superstar Soccer 2000

geschrieben von Sascha Gläsel

Hersteller: Major A / Konami
Genre: Sportspiel
System: Nintendo 64, PAL-Version
Besonderheiten: unterstützt Rumble- und ExpansionPak; benötigt ControllerPak (120 Blöcke)
USK (ESRB): ohne Altersbeschränkung
Spieler: 1 - 4
Testmuster von: eigene Anschaffung

Mit "International Superstar Soccer 2000" liefert Konami bereits die dritte Ausgabe seiner bekannten und beliebten Fußballsimulation für das Nintendo 64 aus. Zwar liegt Konami damit noch Meilenweit hinter dem Geschäftsgebaren von Electronic Arts, die von ihrer FIFA Reihe in unschöner Regelmäßigkeit drei Ableger pro Jahr (allerdings nicht für das Nintendo 64) auf den Markt werfen, doch drängt sich natürlich auch hier die Frage auf, ob die Neuauflage mit neuen Features den Neukauf lohnt, wenn ihr bereits "ISS 98" in eurer Spielesammlung habt.

Auf den ersten Blick hat sich bis auf ein wenig Kosmetik beim Design der Menüs nur wenig geändert. Die vom Prequel bekannten Spielmodi sind alle wieder mit von der Partie. Vom einfachen Freundschaftsspiel, über eine selbst zusammengestellte Liga, einem WM-Turnier, den Szenarien, dem Training bis hin zum Elfmeterkrimi ist alles, was ein eingefleischter "ISS" Fan erwartet, vertreten. Neu hinzugekommen ist die Europameisterschaft, eine Mini-Liga bei den Freundschaftsspielen und die Karriere. Darüber hinaus dürft ihr selbstredend wieder fast nach Belieben an den Nationalmannschaften und den Optionen herumbasteln. Wollt ihr es so realistisch wie möglich, ist dies auch bitter nötig, da "ISS 2000" aufgrund fehlender Lizenz nicht mit den Originalnamen der Spieler daherkommt. Zwar orientieren sich die Phantasienamen und Spielerwerte an realen Kickern, doch ist schon einiges an Gespür und Arbeit nötig, wollt ihr die Teams auf die tatsächlichen Namen trimmen, zumal die Mannschaften etwa auf dem Stand vor der EURO 2000 sind.

Training erste Kickerpflicht
Die ersten Schritte in die Welt von "ISS 2000" sollten den Anfänger in das Training oder ein Freundschaftsspiel führen. Hier gilt es die grundsätzlichen Steuerfinessen und die etwas komplexeren Techniken zu verinnerlichen. Pass, Doppelpass, Steilpass, Flanke, Torschüsse oder raumgreifende Sprints gehen dabei schnell von der Hand, da hierzu meist nur ein einziger Button betätigt werden muss. "ISS 2000" hat aber noch allerlei Feinheiten zu bieten, die sich erst dem fortgeschritteneren Joypadakrobaten erschließen. Durch Kombination mit dem R- oder Z-Button sowie durch zweimaligem Betätigen oder kurzes Antippen eines Buttons lassen sich die tollsten Sachen anstellen, wie trickreiches Antäuschen, elegante Ballannahmen mit der Brust, verzögerter Doppelpass, angeschnittenen Flanken oder Torschüsse, Lupfer, kurzes Vorlegen des Balles etc.. Außerdem solltet ihr die Standardsituationen trainieren. Eckbälle und Freistöße sind bei gut einstudierten Varianten einer der aussichtsreichsten Möglichkeiten, den Ball in die gegnerischen Maschen zu jagen.

Noch ein paar Worte zu den Spielmodi. Beim International und den Europa Cup spielt ihr einen kompletten WM oder EURO Wettbewerb von den kontinentalen Qualifikationsgruppenspielen bis zum eigentlichen Endturnier durch. Die Mannschaften werden dabei zufällig den Gruppen zugelost - reale Spielpläne gibt es nicht. Mit den Nationalmannschaften dürft ihr darüber hinaus eine fiktive Liga bestreiten. Ihr müßt nur festlegen, wie viele und welche Teams die Liga enthalten (auf Wunsch auch Zufallsauswahl) und wie oft jeder gegen jeden antreten soll. Schon habt ihr eine Art Bundesliga mit Nationalmannschaften. In den 16 Szenarien ist dagegen alles vorgegeben. Ihr steigt bei einem bestimmten Spielstand mitten in ein Match ein und sorgt dafür, dass euer Team am Ende gewinnt. Für den kleinen Fußballhunger zwischendurch gibt es das Elfmeterschießen bei dem abwechselnd je fünf Kicker eines Teams ihre Nervenstärke im Duell mit dem gegnerischen Keeper vom Elfmeterpunkt aus beweisen müssen. Soweit für ISS Veteranen nichts Neues.

Von der grauen Maus zum Nationalmannschaftsstar
Der Karrieremodus ist ein Novum für Konamis N64 Vorzeigekicker. Innerhalb von drei Jahren müßt ihr euer Alter Ego vom unbedarften Neuling zum Nationalspieler führen. Entscheidet euch zunächst für Aussehen und eure Lieblingsposition - vom Torhüter bis hin zum Mittelstürmer steht euch alles offen. Die eigentliche Action auf dem grünen Rasen ist allerdings nur ein Mosaikstein für den potentiellen Nationalmannschaftsstar. Zunächst einmal müßt ihr einen Platz in dem Vereinsteam eurer Wahl ergattern (ihr lest richtig, keine Nationalmannschaft sondern eine fiktive Vereinsmannschaft). Dann heißt es sich durch fleißiges Training und Gespräche mit Teamkollegen und dem Trainerstab das Vertrauen der Mannschaft und des Managers zu erringen und die eigenen zunächst nur mittelprächtigen Werte in die Höhe zu treiben. Vor allem der Manager will umgarnt sein, denn er ist für die Mannschaftsaufstellung zuständig. Für das körperliche Wohlempfinden legt ihr euch ab und an mal auf die faule Haut. Das seelische Heil sucht euer Recke in einer Liebesbeziehung, die sorgsam gehegt und gepflegt werden will.

Habt ihr es einmal ins Team geschafft, müßt ihr wichtige Begegnungen für euch entscheiden. So wird der Nationalcoach immer öfter euren Namen in seinem Notizbuch notieren. Außerdem päppelt ihr eure Spielerwerte weiter auf. Damit am Ende der Zeitspanne euer Traum Mitglied der Nationalmannschaft zu werden in Erfüllung geht müßt ihr am Ende des dritten Jahres die wichtigen Spiele gewinnen. Als Belohnung dürft ihr euren Charakter in den Pool der 20 neu kreierbaren Spieler aufnehmen und ihn dann auch in die entsprechende Nationalmannschaft transferieren.

Optionsvielfalt, wie gehabt
Bevor ihr in einem der Spielmodi (mit Ausnahme einer Karriere, da hier ein Manager alle Traineraufgaben ohne euer zutun übernimmt) bastelt ihr fleißig an eurem Traumteam. Neben den Spielern, die auflaufen dürfen - jedes Team hat 22 Akteure in seinem Kader - wollen vorher noch Aufstellung und Taktik festgelegt werden. Solls ein bisschen offensiver sein, wird eine 4-3-3 oder 4-2-4 Aufstellung eure erste Wahl. Fans des italienischen Catenaccios bevorzugen dagegen ein 5-3-2 oder 5-4-1. Daneben habt ihr noch die Möglichkeit festzulegen, wie sich das Team auf dem Platz verhält. Flügelspiel, alle Mann hinten rein oder in den Angriff, Abwarten auf Konter und andere Taktiken stehen zur Wahl. Wollt ihr euch damit nicht belasten, vertraut dem Computer, der dies standardmäßig für euch übernimmt. Echte Trainernaturen nehmen das selbst in die Hand und ändern die taktischen Vorgaben je nach Spielsituation noch während des Gekickes.

Geht es dann auf dem Platz zur Sache, werden "ISS 98" Veteranen sofort einige kleine aber feine Unterschiede ausmachen, die den Nachfolger noch realistischer erscheinen lassen. Die offensichtlichsten Änderungen hat Konami beim eigenen Verteidigungsspiel vorgenommen. Es ist nämlich jetzt etwas schwerer geworden, den Computerkickern den Ball abzuluchsen. Wo im Vorgänger euch leichte Tacklings mit großer Wahrscheinlichkeit in Ballbesitz brachten, beeindruckt das die "ISS 2000" Mannen nur wenig. Nur wer optimal zu Ball und Gegner steht bekommt die Kugel unter Kontrolle. Sonst gerät euer Gegenspieler zwar ein wenig ins Straucheln, behält aber das runde Leder. Ähnliches gilt für die Grätsche. Eigenen Spielern klebt der Ball nur sehr selten nach einer "Blutgrätsche" am Fuß. Viel öfter spitzelt ihr eurem Gegenspieler den Ball lediglich weg, falls ihr ihn denn überhaupt trefft.

Goalies nicht mehr überirdisch gut
Weitere Neuerungen betreffen die Goalies und die Schiedsrichter. In "ISS 98" klebte den Torhütern der Ball meist wie von Zauberhand an den Handschuhen selbst wenn die Kugel mit einem riesen Bumms aufs Tor kam. Das hat sich im Nachfolger grundlegend geändert. Hier klatschen die Goalies den Ball viel öfter nur ab, so dass sich euch mit ein wenig Glück Nachschussgelegenheiten eröffnen. Außerdem ist das Stellungsspiel der Torwächter nach meinen subjektiven Eindruck geschickter, was es etwas schwere macht, sie nach einem Alleingang zu umkurven. Wenn in "ISS 2000" bei einem Foul eine Wiederholung eingeblendet wird, ist das jetzt kein sicheres Zeichen mehr für eine gelbe Karte. Die Schiris belassen es manchmal bei einer Ermahnung (es gibt wieder drei Referies, einen, der knallhart alles ahndet, einen, der fast alles durchgehen läßt und schließlich ein "Mittelding" aus beiden Extremen).

Kommen wir nun zu einem dunklen Kapitel, der High-Res Grafik. Im Optionsmenü schaltet ihr zwischen der normalen aus den Vorgängern bekannten Auflösung und einer hochauflösenden Optik um falls in eurem N64 ein Expansion Pak seine neue Wohnstatt gefunden hat. Laßt es aber lieber sein. Es sei denn ihr steht auf Ruckelorgien und Knackser beim Sound. Keine Ahnung, wie Konami auf den Trichter gekommen ist, einen solchen Mist zu verzapfen.

High-Res? Nein, Danke!
Die niedrigere Auflösung ist dagegen ohne Fehl und Tadel (abgesehen von der Nintendo typischen etwas verwaschenen Gesamtoptik). Geschmeidig animierte Fußballer inklusive Schiedsrichter und Schiedsrichterassistenten sind der Trumpf mit dem "ISS 2000" wuchern kann. Sogar das Publikum zeigt die ein oder andere "Bewegung", wie zum Beispiel ein paar schwingende Fahnen. Neben einigen Originalstadien, die erfreulich realistisch eingebaut wurden, gibt es auch welche, die den Phantasien der Programmierer entsprungen sind. Dazu gibt es wieder Sonnenschein, Regen und Schnee, die nicht nur reine optische Verzierung sind, sondern sich auf das Ballverhalten auswirken.

Neben den Fangesängen (offenbar waren die Programmiere Fans des Einfallsreichtums englischer Fans, da sehr oft der vom Hollywoodklassiker "Gesprengte Ketten" inspirierte Schlachtgesang aus englischen Stadien erschallt) geben sich diesmal auch zwei deutsche Kommentatoren die Ehre. Die haben allerdings auch nicht unbedingt viel mehr Sprüche drauf als der englische Vorgänger aus dem Prequel. Ein englisches Kommentatorenduo findet sich übrigens auch auf dem Modul wieder. Beim Abspeichern schlägt "ISS 2000" wieder in die Vollen. Fast der gesamte Speicherplatz eines standard Controller Paks müßt ihr veranschlagen. Darauf ist Platz für zwei Karrieren und einen der anderen Cups oder Wettbewerbe gleichzeitig.


Achtung:
Ich weiß nicht, ob es vielleicht an meinem Modul liegt, aber kein anderes Nintendo 64 Spiel ist mir so oft abgestürzt, wie Konamis "ISS 2000". Im Schnitt alle fünf bis sechs Stunden war Schluß mit lustig. Neben den Knacksern in der hohen Grafikauflösung kam es öfter vor, dass einfach von einer Sekunde auf die andere der Ton komplett weg war. Meistens konnte ich das Spiel aber ohne Probleme zu Ende bringen um nach dem Abspeichern und einem Reset wieder mit Ton weiter zu spielen. Bekam ich bei solch einem tonlosen Match einen Einwurf zugesprochen, den die gegnerische Mannschaft zu einer Auswechslung nutzen wollte, ging leider meist gar nichts mehr.

fazit

Auch Besitzer von ISS 98" sollten ruhig mal einen Blick auf den Nachfolger riskieren. Zwar gibt es einige wenige Schwächen (unter anderem ist geht die Umschaltung auf den eigenen Kicker, der dem gegnerischen ballführenden Spieler am nächsten steht, nicht immer sehr glücklich vonstatten). Doch machen kleine aber feine Änderungen "International Superstar Soccer 2000" noch realistischer als den Vorgänger ohne das die Action dabei auf der Strecke bleibt. Die Karriere ist eine nette Zugabe, nicht mehr und nicht weniger. Nicht sehr umfangreich und einige Ereignisse wiederholen sich einfach oft. Trotzdem ist eine Karriere ein kurzweiliges Vergnügen.

Wer für sein Nintendo 64 eine herausfordernde Fußballsimulation sucht, für den ist "International Superstar Soccer 2000" ein Pflichtkauf (sag).


grafik: 8.0 | sound: 7.5 | gameplay: 9.5 | gesamt: 9.0
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