Konsolen.net > Tests > Nintendo 64: Mario Golf

tests

Mario Golf

geschrieben von Sascha Gläsel

Hersteller: Camelot / Nintendo
Genre: Sportspiel (Golf)
System: Nintendo 64, US-Version
Besonderheiten: unterstützt Rumble Pak, Speicherung auf Modul
USK (ESRB): keine Altersbeschr.
Spieler: 1 - 4
Testmuster von: eigene Anschaffung

Nach den anstrengenden Jump'n'Run Abenteuern gönnt sich Nintendos weltbekannter Klempner mal ein wenig Ruhe und geht zur Entspannung eine gepflegte Runde Golf spielen. Was Mario mit seinen Freunden dort alles treibt, erlebt ihr hautnah in "Mario Golf".

Abhängig von der Anzahl der Spieler entscheidet ihr euch für einen der zahlreichen verschiedenen Spielmodi. Ihr startet ein Turnier gegen 29 Computergegner, versucht im "Speed Golf" ein 18 Loch Golfplatz so schnell wie möglich zu absolvieren, verbessert auf der Driving Ranch eure Schlagtechnik, spielt eine Partie Mini Golf oder schaltet neue Golfer in einem Match Game frei.

Die Qual der Wahl
Wollt ihr auch mit anderen Spielern, zum Beispiel den namensgebenden Mario, seinen Bruder Luigi oder Bowser über die Golfkurse schreiten, müsst ihr diese erst in einem Duell Mann gegen Mann (bzw. Frau oder Monster) besiegen. Gezählt wird bei einem Match Game nicht, wie viele Schläge ihr unter dem Platzstandard geblieben seit, sondern nach einem Punktesystem. Hat einer der Konkurrenten an einem Loch weniger Schläge benötigt bekommt er einen Punkt gut geschrieben. Habt ihr nach dem 18. Loch mehr Punkte, dürft ihr in Zukunft mit eurem geschlagenen Gegner als Alter Ego einlochen. Bei einem Gleichstand wird solange weitergespielt, bis einer der Kontrahenten an einem Loch besser ist. Nach und nach füllt ihr so die zu Beginn noch klaffenden Löcher im Spieler Auswahlmenü auf. Einzige Ausnahme: Die vier Plätze unter den beiden oberen Reihen sind Besitzern eines Game Boy Color "Mario Golf" und dem GB Pak vorbehalten.

In einem Turnier tretet ihr gegen 29 Computergegner im edlen Wettstreit um einen goldenen Siegerpokal. Was auf dem ersten Golfplatz dank breiter Fairways und großflächiger Grüns schnell zu ersten Erfolgserlebnissen führt, wird bei den späteren Kursen zur knackigen Herausforderung, wenn fies platzierte Bunker auf schmalen Fairways sowie gähnende Abgründe und kleine und wellige Grüns eure ganze Konzentration und Fingerfertigkeit erfordern. Allerdings müssen die anderen Kurse erst freigespielt werden. Hierzu sammelt ihr fleißig Erfahrungspunkte ("Course Points"), die es in den meisten Wettbewerben sogar in Multiplayerduellen einzustreichen gibt.

Golf allein ist doch langweilig
Vor ganz andere Probleme stellt euch der "Ring Shot" Wettbewerb. Hier gilt es nicht nur ein Par herauszuspielen, sondern auf dem Weg den Ball durch auf dem Platz platzierte goldene Ringe zu spielen. Seit ihr erfolgreich, werdet ihr mit weiteren Aufgaben konfrontiert. Spektakuläre Erfolge dürft ihr vom Abschlag bis zum finalen Put auf Modul speichern. Doch nicht nur das, auch die schönsten Birdies, Eagles, Albatrosse und "Hole in ones" werden auf Modul festgehalten. Im Gegensatz zum "Ring Shot" könnt ihr aber nicht darauf Einfluss nehmen, welche Spielzüge letztlich im Modulspeicher landen.

Beim "Speed Golf" müsst ihr einen 18'er Kurs möglichst schnell durchspielen. Die besten Zeiten werden auf Modul gespeichert. Auf dem Mini Golf Platz geht es geruhsamer zu. Nach dem Prinzip Einfallwinkel=Ausfallwinkel locht ihr den Golfball elegant über Bande auf Zahlen und Buchstaben nachgebildeten Löchern ein. Ein nettes Schmankerl für zwischendurch.

Unter Grafik Marke superniedlich ...
Die Grafik bewegt sich weit oben auf der nach oben offenen Niedlichkeitsskala aber auch ohne störenden Nebel und verwaschene Texturen. Die Protagonisten sind zwar recht grobe Polygonklötze aber ausreichend animiert. Jeder der einzelnen Spieler hat ein paar spezielle Animationen mit auf den Weg bekommen, je nachdem, ob ein Par, ein Birdie. ein Eagle oder ein Bogey erspielt wurde. Darüber hinaus dürft ihr im Multiplayer die Aktionen eurer Kontrahenten mit acht kleinen Aussprüchen kommentieren (vier liegen auf den C-Buttons weitere vier auf dem digitalen Steuerkreuz). Auch hier wurden wieder jedem Charakter unterschiedliche Kommentare spendiert (einige wenige Figuren, wie Yoshi oder Bowser, geben nur seltsame Geräusche von sich). Dies funktioniert nur, wenn jeder der vier Spieler ein eigenes Joypad hat. Ihr könnt eine Mehrspielerpartie zwar mit nur einem Joypad realisieren, müsst dann aber auf die lustigen Kommentare verzichten.

Ab und an begegnen euch auch ein paar grafische Effekte (unter anderem, wenn ihr eine "Nice Shot" Powerschlag macht, einen langen Put versenkt oder die Fahne mit voller Wucht trefft). Auch an kleine Feinheiten wurde gedacht. So weht die Fahne, die über jedem Loch thront entsprechende dem gerade herrschenden Windverhältnissen. Lasst euch aber nicht von der Grafik Marke superniedlich blenden - darunter verbirgt sich eine ausgewachsene aber leicht zugängliche Golfsimulation. Alle Anzeigen auf dem etwas überfrachtet wirkenden Spielbildschirm haben eine wichtige Bedeutung und sollten bei euren Schlägen immer mit einkalkuliert werden. Wind, der Untergrund, auf dem der Ball zum Liegen gekommen ist, optimale Reichweite des jeweiligen Eisens oder Holzes, Entfernung zur Fahne, Regen oder Höhendifferenz müssen bedacht werden wenn der Ball auch da landen soll, wo ihr ihn hin haben wolltet.

... verbirgt sich ausgewachsene Simulation
Ein rechteckiges Gitterraster zeigt euch dabei an, wo euer Ball im optimalen Fall ohne Einfluss von Wetterverhältnissen landen wird. Ihr könnt jederzeit an diese Stelle hin- oder den Weg des Golfballes entlang zoomen, damit euch auch ja kein Hindernis entgeht. Letzteres ist vor allem beim "Lesen" eines Grünes wichtig. Ein sich in Bewegung befindliches Gitterraster gibt euch den entscheidenden Hinweis, ob das grün flach ist oder auf einer Seite abfällt. Die Farbe weist darauf hin, ob es bergauf oder bergab geht.

Die Kontrolle erfolgt, wie es auch bei den meisten anderen Golfsimulationen üblich ist. Erster Knopfdruck und ein Kraftbalken baut sich auf. Mit einem zweiten Druck bestimmt ihr die Länge des Schlages. Mit dem richtigen Timing bringt ihr den Balken genau an der linken Begrenzung zum Halt und treibt so den Ball auf maximale Weite. Jetzt heißt es nur noch den Balken mit einem weiteren Knopfdruck dort zum stehen zu bringen, von wo er seine Reise angetreten hat um den Schlag nicht unabsichtlich nach links oder rechts zu verziehen. Gelingt euch das, werdet ihr mit einem anerkennenden "Nice Shot" eures Kontrahenten belohnt. Zudem bestimmt ihr, wie der Schläger den Ball trifft um zum Beispiel eine höhere Flugbahn zu realisieren. Drückt ihr hierzu den Z-Button wirft eure Alter Ego übrigens ein Büschel Gras hoch. Eine nette Visualisierung der Windverhältnisse.

Auf die Muckis kommt es an
Wie weit ihr den Ball abschlagen könnt, hängt davon ab, mit wem ihr den Golfplatz betretet. Die anfänglich zur Verfügung stehenden Spieler kommen mit dem 1'er Holz gerade mal etwas über 200 Yards weit. Erst erspielte Charaktere, wie Bowser, können weit über 250 Yards schlagen. Daneben habt ihr noch eine begrenzte Anzahl an Power Schlägen ("Power Shot") zur Verfügung, mit denen ihr nochmals etwa 20 Yards draufpacken könnt. Macht ihr dabei einen "Nice Shot", wird euch kein "Power Shot" abgezogen. Die Golfer unterscheiden sich nicht nur durch die maximale Reichweite sondern verfügen auch über verschiedene Schlagtechniken. Ein Mario zum Beispiel spielt den Golfball immer sehr hoch ab und 'schneidet' ihn so an, dass er zunächst nach rechts fliegt und erst kurz vor der Landung wieder nach links einschwenkt. Andere schlagend en Ball flach oder mit einem Linksdrall ab.

Spielt ihr mit Freunden, müsst ihr auf einige Modi verzichten. Weder Trainingsschläge (nach Wahl auf einer Driving Ranch oder auf beliebigen Löchern) noch "Ring Shot" oder ein Turnier stehen zur Verfügung. Dafür springen andere in die Bresche. Neben zwei verschiedenen Matchplayvarianten (inklusive Handicapsystem um auch Anfängern gegen Fortgeschrittenere eine Chance zu geben) wartet das spaßige "Club Slots" auf euch. An einem einarmigen Banditen werden euch maximal drei Schläger per Zufall zugewiesen, mit denen ihr dann zurechtkommen müsst (den Putter habt ihr immer im Gepäck).

Wetten inklusive
Nebenbei könnt ihr auch noch kleine Wetten im Multiplayermodus aktivieren. Dann wird eine vorher (für alle Wetten) bestimmte Summe festgelegt, die einem Golfer bei bestimmten Ereignissen gutgeschrieben wird. So kann derjenige, der den Ball an einem Par 3 Loch am nächsten an der Fahne platziert hat, den Wettgewinn einstreichen oder der, der auf einem Par 5 Loch der weiteste Abschlag gelungen ist.

Weil eine Partie Golf auch einmal etwas länger dauern kann, könnt ihr maximal drei Partien auf dem Modul zwischenspeichern, die einmal geladen aber automatisch wieder gelöscht werden. Außerdem werden noch ein Menge an Statistiken im "Clubhouse" gespeichert. Leider wird lediglich eine Gesamtstatistik verwaltet, keine persönliche, auf denen eure eigenen Ergebnisse und Bestleistungen festgehalten werden. Eine Liste, wie oft welcher Charakter gegen einen anderen gewonnen oder verloren hat sowie welche Spielfigur welchen "Ring Shots" Kurs geknackt hat, entschädigt für dieses Manko nur teilweise.

Die Musik ist zum vergessen. Das typische Mario Gedudel. Leider kann man die Musik in den Menüs oder zwischen zwei Löchern nicht abschalten. Nur die, die während der Action auf dem Kurs ertönt, kann man unterbinden. Wenigstens etwas. Warum das Spiel das Rumble Pak unterstützt, ist mir schleierhaft. Denn eine sinnvolle Einbindung ist hier nicht gelungen. Es rüttelt nur ein wenig, um euch anzuzeigen, dass ihr jetzt am Schlag seit.

An dieser Stelle möchte ich mich bei Hans Meier bedanken, der mir sein Exemplar von "Mario Golf" selbstlos für diesen Test zur Verfügung gestellt hat :-)

fazit

Unter der auf niedlich getrimmten Grafik schlummert eine Golfsimulation, die sich gewaschen hat. Fordernde und abwechslungsreiche Kurse, eine realistische Ballphysik, viele Spielmodi und gelungene Mehrspieleraction mit einigen netten Gimmicks machen "Mario Golf" zu einer klaren Kaufempfehlung, die sich auch Sportspielhasser getrost einmal näher anschauen können (sag).


grafik: 7.5 | sound: 5.5 | gameplay: 9.0 | gesamt: 8.5
Copyright 1996-2017 bei Jochen Rentschler. Alle Rechte vorbehalten.