Konsolen.net > Tests > Nintendo 64: NBA Live 99

tests

NBA Live 99

geschrieben von Sascha Gläsel

Hersteller: EA Sports
Genre: Sportspiel
System: Nintendo 64, PAL-Version
Besonderheiten: unterstützt Rumble Pak; benötigt Controller Pak (115 bis 132 Seiten)
USK (ESRB): keine Altersbeschränkung
Spieler: 1 - 4
Testmuster von: eigene Anschaffung

Während in den USA der Spielbetrieb der stärksten Basketballliga der Welt wegen eines Streikes der Spieler noch bis in den Februar hinein ruht, schickt EA Sports mit "NBA Live 99" seine Basketballsimulation zu seinem Nintendo 64 Debüt aufs Parkett. So dürft Ihr wenigstens auf dem eigenen Bildschirm die bis dato ausgefallene Saison nachholen.

Zunächst werdet Ihr mit einem Wust an Menüs konfrontiert. Schließlich wollen eine Menge an Details festgelegt werden, bevor Ihr in den Kathedralen der Basketballfans kernige Distanzwürfe und spektakuläre Dunks sprechen lasst. Neben für eine Sportsimulation von heute so selbstverständlichen Dingen wie die Länge eines Viertels, der Mannschaftsaufstellung, dem Schwierigkeitsgrad, den verschiedensten Taktiken für Verteidigung oder Angriff, der Strenge der Schiedsrichter oder den verschiedensten Kameraperspektiven, werden Fans von EA´s "NBA Live" Serie gänzlich ungewohntes vorfinden.

Arcade Mode Marke "NBA Jam"
Lädt doch ein an "NBA Jam" erinnernder Arcade Modus dazu ein, die Spielfelder zu beackern. Hier geht dann schon mal ein Korb in Flammen auf oder die Spieler strotzen den Gesetzen der Physik und zeigen so spektakuläre Dunks, dass der Eindruck entsteht, sie hätten dicke Federn unter ihre Sportschuhe geschnallt. Kurzum, ein Basketball ohne jede Regeln, wie man es von den bekannten "NBA Jam" Spielen vergangener Jahre als Umsetzung des nicht minder berühmten Spielautomaten gewohnt ist. Mit Freunden bringt es eine Menge Fun, allein aber bleibt der Spielspaß auf der Strecke, da Ihr die Begegnungen einfach viel zu leicht gewinnt.

Natürlich könnt Ihr auch wieder ein Freundschaftsspiel, eine komplette oder verkürzte NBA Saison inklusive Playoffs oder nur die Playoffs absolvieren. Echte Simulationspuristen unter den Basketballfans widmen sich einer kompletten NBA Saison mit allen 82 Spielen und sämtlichen Regeln der NBA. Als kleine Zwischenmahlzeit eignet sich der 3-Punkte-Wettbewerb. Bis zu acht Spielern, davon maximal zwei gleichzeitig, ermitteln, wer der beste 3-Punkt-Schütze ist. An fünf Positionen der 3-Punkt Linie müssen innerhalb von 60 Sekunden je fünf Bälle in den Korb befördert werden.

Mit den aktuellen Teams und Spielern
Doch zurück zu Altbewährtem. Auf dem Modul schlummern die aktuellen Teams der nordamerikanischen Basketballiga NBA samt Statistiken der letzten Saison. Während und nach den Spielen informiert Ihr Euch anhand umfangreicher Statistiken über die Form und die Fähigkeiten der Spieler. Nehmt Euch diese Angaben gut zu Herzen und richtet Eurer Spiel nach den Fähigkeiten Eurer Akteure aus, wenn Ihr erfolgreich sein wollt. Allerdings befinden sich noch Lücken in den Spielerkadern, da es wegen des Streikes noch keine offiziellen Verträge mit den Rookies gegeben hat.

Fast alle bekannten Namen werdet Ihr wiederfinden. Einzige Ausnahme (aus lizenzrechtlichen Gründen) ist der Superstar der NBA, Michael Jordan. Dafür findet Ihr einen Spieler mit der Nummer 99 und dem fantasievollen Namen "Player" im Team der Chicago Bulls, der dem bekannten Vorbild mit der Nummer 23 überhaupt nicht ähnelt dafür aber mit ähnlichen Leistungswerten glänzt. Wer "Air" Jordan bei den Bulls sehen möchte nimmt dies mit dem integrierten Editor zum Erstellen neuer Spieler selbst in die Hand.

Auch Trainer werden gefordert
In den umfangreichen, dank Hilfefunktion aber übersichtlichen Menüs, stellt Ihr ein, wie groß der Einfluss auf Euer Team sein soll. Echte Cracks lassen sich natürlich nicht von der Computerhilfe ins Handwerk pfuschen und regeln die Aufstellung, Auswechslungen und die taktische Marschroute in Verteidigung und Angriff selbst. Anfänger legen getrost taktische Belange in die bewährten Hände des Computers und müssen sich so nicht mit erschöpften Spielern oder der richtigen Deckung auseinander setzen.

Die taktischen Finessen sind vielfältig. So legt Ihr nicht nur fest, wie aggressiv Eure Spieler in Angriff, Verteidigung und bei Rebounds agieren sollen, sondern gebt auch einen von mehreren Angriffsspielzügen vor. Neben den fünf Strategien in der Verteidigung ordnet Ihr euren Spielern bestimmte Gegenspieler zu oder nehmt gegebenenfalls besonders gute Akteure in Doppeldeckung.

Eingängige Steuerung
Die Steuerung ist schnell erlernt. Nach kurzer Einarbeitungszeit gelingen Euch blitzschnelle Dribblings, krachende Dunks oder (seltener) besonders spektakuläre Alley-Oops. Über die gelbe C-Tasten luchst Ihr Eurem Gegenspieler geschickt den Ball ab oder schubst ihn ein wenig herum, legt mal eben schnell einen Zahn zu oder führt Doppelpässe sowie schmucke Dribblings aus. Neben dem normalen Pass (der Spieler, der in Eurer Blickrichtung steht, bekommt den Ball nach Betätigen von B zugespielt) gibt es zusätzlich ein Direktpasssystem. Haltet R gedrückt und Ihr könnt über die C-Tasten den Ball zu dem Spieler Eurer Wahl befördern.

Ein weiteres interessantes Feature soll nicht unerwähnt bleiben. Ihr dürft vor einer Begegnung einen Spieler festlegen, den Ihr dann während des gesamten Matches steuert. Schlagt Euch als Scotty Pippen, Detlef Schrempf oder Hakeem Olajuwon durch eine NBA Saison. Seit Ihr dieses Modus überdrüssig schaltet Ihr jederzeit (auch während einer Begegnung) wieder auf den normalen Spielmodus um.

Realistisches Geschehen auf dem Parkett
Wenn die Saison im Februar doch noch aufgenommen wird, bietet EA Sports Besitzern eines DexDrive (einem Laufwerk von InterAct zum Auslesen und Beschreiben von Memory Cards mit Hilfe eines Windows 95 tauglichen PC´s; Veröffentlichung in Kürze) und eines Internetanschlusses einen besonderen Service. Auf ihrer Webseite wird eine Datei zur Verfügung gestellt, die die Aufstellung der Mannschaften auf den neuesten Stand bringt.

Viel Sorgfalt hat EA Sports bei der Gestaltung der verschiedenen Hallen und dem Geschehen in eben diesen an den Tag gelegt und kommt dabei (soweit ich das beurteilen kann) Nahe an die Wirklichkeit heran. Besonderes Lob verdient die korrekte Wiedergabe der Größenverhältnisse der verschiedenen Spieler. Es ist schon beeindruckend, wenn man den kleine Bogues neben dem riesigen Brocken, der auf den Namen Shaquille O´Neal hört, stehen sieht. Als besonderes Schmankerl wurden den Spielern realistische Gesichtstexturen verpasst. Die Recken in "NBA Live 99" sehen ihren realen Vorbildern zwar nicht wie aus dem Gesicht geschnitten aus, ein gewisser Wiedererkennungswert ist ihnen aber nicht abzusprechen.

Neben dem Spielfeld wenig los
Das man sich an eine Fernsehübertragung erinnert fühlt liegt nicht nur an den lebensecht wirkenden flüssigen Animationen der Spieler in einer detaillierten Hi-Res Optik sondern auch an dem realistisch mitgehenden Publikum. Nur der englische Kommentator ist nicht besonders beredt. Zwischendurch werden kleine Infotafeln eingeblendet, wenn Ihr zum Beispiel ein 8-0 Serie hattet oder über einen längeren Zeitpunkt keinen Korb erzielen konntet. Leider hat die Rechenpower des N64 nicht mehr für ein animiertes Publikum auf den Rängen oder für ein wenig Action neben dem Spielfeld gereicht. Für eine weitere Neuauflage wünsche ich mir ein paar Fotografen hinter den Körben, Cheerleader neben der Seitenlinie, mitgehende Auswechselspieler auf der Bank, den Spieler bei Freiwürfen irritierende und frenetisch feiernde Fans auf den Rängen.

Leider hat "NBA Live 99" auch einige Schattenseiten zu bieten. Allen voran die hässlichen PAL-Balken. Schade, dass man sich keine Zeit für eine vernünftige PAL-Anpassung genommen hat. Auch das typische leichte Ruckeln bei Kameraschwenks gibt es wieder. Ein Schmunzeln kann man sich nicht verkneifen, wenn man die Arme der Basketballheroen sieht. Von der Seite sieht alles noch in Ordnung aus. Wenn man aber die Spieler mal von vorne betrachtet kann man sich nur fragen, wie die Recken mit diesen Streichholzunterärmchen überhaupt den Ball halten geschweige denn werfen können.

Viele Kameraperspektiven
Für den maximalen Überblick bietet "NBA Live 99" eine Vielzahl an Perspektiven, deren Zoomstufe Ihr in mehreren Schritten noch zusätzlich verändert. Den besten Kompromiss aus Nähe zum Geschehen und guter Übersichtlichkeit bietet meiner Meinung nach die voreingestellte Kameraperspektive. Bei Freiwürfen kommen separate Ansichten zur Anwendung. Ihr könnt eine fest vorgeben oder den Computer zufällig entscheiden lassen.

Obwohl das entsprechende Symbol auf der Verpackung fehlt, unterstützt "NBA Live 99" das Rumble Pak. Einmal eingelegt (vor einem Match erscheint eine entsprechende Meldung), vibriert es, wenn Ihr näheren Kontakt mit Euren Gegenspielern habt. Einziges Problem bei der ganzen Sache: Leider hat EA Sports vergessen einen Hinweis einzubauen, wann Ihr das Rumble Pak wieder gegen ein Controller Pak austauschen müsst um Eure Fortschritte in Liga oder Playoff abzuspeichern. Legt Ihr die Memory Karte zum falschen Zeitpunkt ein kann das zu Problemen führen (ich habe mir zweimal meine Einstellungen ruiniert).

Kauft gleich ein neues Controller Pak
Beim Abspeichern war bei EA Sports mal wieder "Klotzen statt Kleckern" der große Leitspruch. Eine Saison oder Playoffs belegen satte 115 von 123 Seiten eines normalen Controller Paks. Im Spielstand für die Saison sind Plätze für 100 neu kreierte Spieler und 20 Veränderungen bereits vorhandener Akteure enthalten. Wollt Ihr, dass auch neben einer Saison zusammengebastelte Teams später wieder zur Verfügung stehen, müßt Ihr noch einmal 12 Seiten opfern, weitere 5 Seiten verschlingt das Abspeichern der Einstellungen.

Die Anleitung informiert in gebührender Ausführlichkeit über die diversen Menüs in "NBA Live 99" ist aber lieblos in schwarz/weiß gehalten. Als ich die letzte Seite gelesen hatte, musste ich erstmal kräftig schlucken. Den Kundendienst von Electronic Arts erreicht man telefonisch nur über eine teure 0190-5 (1,21 DM pro Minute) Nummer. Und das in einem Zeitalter, in dem sich diverse Telefongesellschaften bei den Ferngesprächsgebühren mit immer günstigeren Sondertarifen unterbieten. Wenn Euer Spiel nach der Garantiezeit kaputt gehen sollte (leider hat EA vergessen anzugeben, wie lang diese überhaupt ist), will EA 75,- DM (!!) für ein neues. Tja, von gutem Kundenservice scheint man bei Electronic Arts in Deutschland nicht viel zu halten. Wer mal Probleme oder Fragen haben sollte und nicht über einen Internetanschluss verfügt, dem greift EA ganz schön in die Tasche. In meinen Augen ist so ein Gebaren einem großen und arrivierten Softwarehaus wie Electronic Arts unwürdig. Tipps zu den Spielen gibt es übrigens über eine noch teurere Abzockernummer (0190-9; Kostenpunkt 2,42 DM pro Minute).

fazit

Basketballfans, die wegen des Spielerstreiks bereits an Entzugserscheinungen leiden, kommt "NBA Live 99" gerade recht. Mit seinen vielen Einstellmöglichkeiten, den taktisch anspruchsvollen zugleich aber auch actionlastigen Geschehen und dem hohen Grad an Realismus auf dem Parkett bietet EA Sports Basketballsimulation eine Menge Spielspaß. Was mich persönlich am meisten stört ist das Fehlen einer Bestenliste, wie ich es von NHL 99 gewohnt bin, sowie der für Cracks etwas zu niedrige Schwierigkeitsgrad. Otto-Normalspieler werden sich dagegen freuen auch bei der "Superstars" Einstellung zu Erfolgserlebnissen zu kommen. Unterm Strich bleibt aber eine empfehlenswerte Basketballsimulation, die sich jeder Sportspielfan nicht entgehen lassen sollte (sag).


grafik: 8.0 | sound: 7.5 | gameplay: 9.0 | gesamt: 8.5
Copyright 1996-2017 bei Jochen Rentschler. Alle Rechte vorbehalten.